All that glitter is not gold!

„Hi, mein Name ist „XYZ“ und ich habe 20.000 Follower und du so?“

Mittlerweile kommt es uns so vor, als würde jedes beliebige Gespräch sich um nichts mehr anderes drehen, als wer wo was zu melden hat und wer wohl erfolgreicher ist. Selten lässt zur heutigen Zeit jemand seine Maske fallen um zu zeigen wer er wirklich ist – und das leider auch begründet: Inmitten der Menschen die kaum Zeit finden Ihren gebannten Blick von Ihrem Smartphone abzuwenden um reale Gespräch zu führen, ist es heutzutage wirklich schwer, die wahre Persönlichkeit des Gegenüber kennenzulernen und richtig einzuschätzen.

Aber was bedeutet es ein Teil der heutigen Gesellschaft zu sein? Sollte man die Social Networks wie Instagram, Facebook, YouTube, Lookbook, Twitter, Snapchat, Pinterest überhaupt besitzen. Müssen wir uns in dieser Welt immer nur noch beweisen – wer hat das coolste Outfit, die meisten Freunde, die meisten Follower, wer hängt mit wem ab?

Es ist an der Zeit, mal ein bisschen Klarheit für diejenigen zu schaffen, die auf der anderen Seite des Smartphones sitzen, fleißig liken und mit Bildern von paradiesischen Urlauben, den neusten Luxustäschchen und den schnellsten Sportwagen oder dergleichen zugespamt werden.

Wir hätten so viel zu sagen, möchten so gerne unsere Meinung loswerden und einfach schreien, fluchen, jubeln und uns aufregen und freuen und es jedem mitteilen; aber es ist (leider) derzeit wirklich sehr schwer, wenn nicht sogar riskant via Social Media auch nur kleine Statements loszuwerden. Unsere Meinung teilen wir ja nur mit um „fame“ zu werden. Man betrauert Paris sowieso nur, weil es „hipp“ ist. Und man ist total individuell wenn man bei dem Anti-Mainstream-Mainstream mit schwimmt und einfach Jeden, der auch seine Meinung zu einem Thema abgibt in eine Schublade steckt und verurteilt. Ach, und eigentlich sind wir doch auch alle nur auf Instragram, weil es jetzt angesagt ist und jeder reich und berühmt werden möchte. Ist ja easy, kann ja sowieso jeder – Yeeahy.

Wo wir früher mit unseren Freunden auf dem Spielplatz getobt haben, uns stundenlang mit unseren Barbies beschäftigen konnten, nicht einmal im Traum an ein Smartphone oder Internet gedacht haben, stylen sich heute die 14-jährigen Mädels auf, fotografieren sich in ihrem nahezu perfekt rosa dekoriertem Zimmer & posten ihr OOTD auf ihrem Account. Stehen morgens stundenlang in der Küche um das perfekt Frühstück zu kreieren. Sind fleißig am Eiweißshake trinken und verbringen ihren Tag im Fitnessstudio – damit man auch die absolute Traumfigur in Calvin Klein Unterwäsche vorzeigen kann – denn ja, wie ihr wisst Size Zero ist Trend von Heute und ein absolutes Muss. Und wofür das Ganze? Exaxt! hierfür bekommen SIE Anerkennung, Likes, Kommentare! Das Ego wird gepusht. Genau so stirbt das ICH aus und wir verlieren unsere eigene Identität. Es entsteht quasi eine Abhängigkeit, die Social Network Marionette ist geboren.

Mehrere Hundert oder Tausend Likes auf Instagram. Wie funktioniert das? Grund dafür sind ihre Bilder, die ein grandioses und sorgenloses Leben zeigen. Es entsteht eine Illusion, denn um den Instagram-Bildausschnitt herum, kann die Realität ganz anders aussehen.

Neuster Post: Mercedes Benz C63 AMG. Nächster Post: Die brandneuen Yeezys – Headliner: „New Babys“. Ok, geil der Typ versteht was vom Leben.

Erster Post: ein Fitness-Selfie. Der zweite Post betitelt mit „I woke up like this“ lässt schon deutlich erahnen, dass diese Frau niemals so fresh aus dem Bett gehüpft kommt, aber egal: trotzdem wird fleißig kommentiert und Ihr wunderschönes (konturiertes) Gesicht, die perfekt liegende Haarmähne und ihr „flawless“ Teint gelobt, denn das sind ja schließlich absolute #goals.

In Realität würden hier höchstwahrscheinlich ein schüchterner Student, in Kapuzenhoodie und zerrissenen Jeans, Schuhmarke unbekannt und ein normalgewichtiges, eher unscheinbares Mädchen mit den typischen (und auch völlig normalen) Hautunreinheiten aufeinander treffen – ja gut ok. Aussehen und Geld ist ja schließlich nicht alles. Und das sollte uns eigentlich bekannt sein, nicht wahr?

Wir tauchen ein in eine Welt, in der man das Realistische aus den Augen verliert. Man schwimmt lieber mit dem Strom, anstatt gegen ihn. Alle fahren dieselbe Schiene, tragen dieselben Taschen, dieselben Trends, dieselben Haare, dieselbe Uniform und dieselben Kleidergrößen. Herausstechen sieht anders aus. Doch das Erstaunlichste ist: man fährt mit diesem Mangel an eigener Identität erstaunlich gut und es überrascht uns tatsächlich immer wieder aufs Neue wie zuverlässig aufgewärmter Mainstream doch funktioniert.

Man wird belächelt, es wird geneidet, nichts gegönnt, jeder versucht ständig den Post des Vormannes zu übertrumpfen. Aber wieso? Wieso zieht Social Media so unglaublich viel Intoleranz, Konkurrenzkampf und infolgedessen chronischer Realitätsverlust mit sich? Wieso versucht sich jeder nicht von seiner besten Seite, sondern von einer Seite zu zeigen, die Ihn gar nicht realitätsgetreu darstellt?

Wo sind die Werte geblieben, die wir verfolgen und nach denen wir lieber streben sollten? Wo bleib die Lust und der Drang offen zu sein, frei von Vorurteilen, frei von der Angst aus der Masse herauszustechen – einfach anders, ehrlich, normal und individuell. Das zu tun, was man liebt, das zu tun, was Spaß macht scheint mittlerweile nur noch nebensächlich geworden zu sein.

Schneller, teurer, schöner, hübscher – sind die neuen Gesetze der

„Generation: Kylie Jenner“.

Die Versuchung ist groß – einfach kopieren und hoffen, dass man ebenso Erfolg mit diesen Dingen hat. Der Grad zwischen „von etwas inspiriert zu sein“ und „kopieren“ ist sehr schmal. Doch was nützt das Ganze wenn man sich selbst nicht treu bleibt. Was nützt uns die ganze Anerkennung, der Ruhm, wenn man Nachts alleine im Bett liegt und man trotz alle dem unzufrieden ist. Jeder sollte seine eigene Rolle in diesem Becken wiederfinden. Grundsätzlich sollte es nicht unbedingt darum gehen, auf irgendeine Art und Weise andere Leute zu beeindrucken, mit dem was man hat (oder vorgibt zu haben) oder bekannt zu werden. Es sollte die Liebe und die Leidenschaft zu dem sein, was man mag und was man tut – wer man wirklich ist.

Auch wenn hin und wieder, Gleichgesinnte versuchen mit genau solchen „Social Media is a Lie“ – Enthüllungen, die scheinbar gefakten Unwahrheiten dieser Bloggerszene auffliegend zu lassen und den Ruf sämtlicher ‚Mitspieler‘ in den Dreck zu ziehen – um damit noch mehr Aufmerksamkeit zu erhaschen – stehen wir immer noch hinter dem was wir tun, hinter dem was wir schreiben, hinter dem was wir posten, hinter dem was wir sind – denn das sind wir.. Nichts als wir.

Selbst in sämtlichen sozialen Netzwerken unterwegs, ertappen wir uns auch immer häufiger wie wir insgeheim jemand anders verurteilen oder ihn für seinen Erfolg beneiden – so ehrlich müssen wir leider sein.

Sich selbst treu zu bleiben klingt anfangs einfacher, als es in der Realität tatsächlich ist. Viel zu schnell gerät man in einen Strudel, in dem man nur für den Erfolg postet, statt für sich selbst, seine Freunde oder um einfach Erinnerungen einzufrieren. Finanzieller und emotionaler Druck kennen leider seither nur eine Richtung: Nach unten, und zwar schnell und schmerzhaft.

Es ist nicht einfach sich auch im Sturm auf den Beinen zu halten und der Sturm, der grade aufzieht scheint schier gewaltig. Aber es ist auch nicht der erste und es ok ist auch mal zu fallen, so lange man gestärkt wieder aufsteht. Sich selbst treu zu bleiben, bedeutet aber auch sich von dem Erfolgsdruck zu lösen. Es bedeutet glücklich zu sein. Sturm hin oder her. Im Durchhalten beweist sich am Ende echte Stärke, fernab vom Hype.

– Masha Sedwick

 

XOXO und bis bald,

Materialistic Suicide

 

 


Publiziert: Citystuff Magazin – März Ausgabe, 2016

 

 

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